Fürchtet euch nicht, ich bin es
Nein, diese Zeichnung stellt nicht, wie mein Sohn behauptet, den berühmten Revolutionär Mao Tse Winsky dar, sondern mich. Sie erschien in der Literaturbeilage des holländischen „Het Parool“, als Illustration zu einem Artikel, in dem ich versuchte, meine Eindrücke von der Stadt Amsterdam zu schildern. Eine wunderschöne Stadt übrigens, und das nicht nur, weil die Buchhandlungen dort die holländische Ausgabe von „Melnitz“ so fleissig verkaufen.
(Zeichnung Kristof Luyckx / Shop Around)
Glosse des Monats
Wenn wir alt werden, so beginnen wir zu
disputieren, wollen klug sein, und doch sind wir die größten Narren.
Martin Luther
Man müsste, vielleicht von Pro Litteris und Pro Senectute gemeinsam
organisiert, einen Dienst zur Betreuung alternder Dichter einrichten, die
unter dem Verblassen ihres Ruhms leiden und es schlecht ertragen, nicht mehr
im Zentrum des Weltinteresses zu stehen. Das Bedürfnis nach einem solchen
Pflegedienst steht ausser Frage, denn der allmähliche Bedeutungsverlust
gehört (vor allem bei Nobelpreisträgern) zu den schmerzhaftesten
literarischen Altersbeschwerden und wird von den Betroffenen noch
unangenehmer empfunden als Zahnausfall und Rheuma.
Aber auch für die Mitmenschen kann dieses geriatrische Problem sehr negative
Auswirkungen haben. Die davon Befallenen neigen nämlich zu Rechthaberei,
Logorrhoe und unkontrolliertem Verfassen von Leserbriefen, die von ihnen in
besonders akuten Fällen als Gedichte wahrgenommen werden.
Die Betreuung, als eine Art Literaten-Spitex organisiert, müsste sich bei
ihren regelmässigen Besuchen in der Dichterklause darauf konzentrieren, dem
in die Jahre gekommenen Schriftsteller das Gefühl zu geben, er sei
keineswegs vergessen, und seine einst erfolgreichen Werke, auch wenn deren
Erscheinungsdatum Jahrzehnte zurück liegt, würden in den Feuilletonspalten
der Zeitungen und den Literaturseminaren der Universitäten nach wie vor
täglich diskutiert. Es bestehe also, dies die subtil zu vermittelnde
Botschaft, keinerlei Notwendigkeit, sich durch unbedachte neue Publikationen
selber ins Scheinwerferlicht drängen zu wollen.
In besonders schweren Fällen, da wo die Gefahr besteht, dass der alte
Dichter sein eigenes Image durch zwanghaftes Leserbrief-Schreiben nachhaltig
beschädigt, dürften die Betreuer auch zu kleinen Tricks greifen: So könnten
sie sich etwa als Journalisten ausgeben, die zu aktuellen politischen Fragen
nach einem Statement des verehrten Meisters gieren, oder als Verehrerinnen,
die für ein Autogramm alles, aber auch wirklich alles zu tun bereit sind.
Was eben im Interesse des von Geltungssucht befallenen Greises notwendig
ist, um ihn vom Verfassen sogenannter Gedichte abzuhalten.
PS: Mit Günter Grass und seiner Stellungnahme zum iranisch-israelischen
Konflikt hat dieser Vorschlag natürlich nichts zu tun.
Überhaupt nichts.
Erschienen in »Bücher am Sonntag« vom 29.April 2012,
Literaturbeilage der »NZZ am Sonntag«
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Rezept gefällig?
Der „Beobachter“ lebt, wie so viele andere Zeitschriften, im Irrglauben, dass Promis alles können – also auch kochen. Folglich hat er mich für die entsprechende Rubrik um mein bestes Rezept gebeten. Und das möchte ich den Besuchern meiner Homepage nicht vorenthalten. Guten Appetit!
Gefülltes Perlhuhn «Lewinsky»
Zutaten für 4 Personen:
1 Perlhuhn
für die Füllung:
6 Schalotten,
5 Knoblauchzehen,
frische Kräuter (Rosmarin, Salbei, Schnittlauch),
12 entsteinte Datteln,
2 Deziliter Noilly-Prat,
2 Esslöffel Olivenöl,
Salz, Pfeffer,
2 Teelöffel Schwarzkümmel,
1 Prise Lebkuchengewürz,
1 Prise Kardamom,
1 Teelöffel Chilipfeffer,
1 Hand voll schwarze Pfefferkörner;
als Beilage:
Bohnen
Zubereitung der Füllung:
Die Schalotten, den Knoblauch, alle Kräuter und die Datteln fein hacken und in eine Schüssel geben.
Die Hälfte des Noilly-Prat, das Olivenöl und die Gewürze daruntermischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Weiteres Vorgehen:
Zwei Drittel der Mischung in den Bauch des Perlhuhns füllen.
Mit dem Rest das Huhn aussen einreiben.
In einen Bratbeutel legen. Die zweite Hälfte des Noilly-Prat sowie die Pfefferkörner dazugeben.
Den Beutel zubinden und mit einer Stecknadel oben einige Male einstechen.
In den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen geben und 15 Minuten anbraten.
Die Hitze auf 60 Grad reduzieren und das Perlhuhn mindestens weitere drei Stunden garen.
Unterdessen die Bohnen blanchieren und beiseite stellen.
Vor dem Servieren den Bratbeutel öffnen, die Sauce in einer Pfanne auffangen und die Bohnen kurz darin aufkochen.
Was man im Internet nicht so alles findet…
Jeder Mensch, der neugierig ist – und ich bin sehr neugierig – googelt regelmäßig den eigenen Namen. Und da findet er dann die seltsamsten Dinge. In der New York Times vom 4. April 1884 (also in den ganz frühen Tagen des Internets…) habe ich einen Artikel über einen Namensvetter von mir entdeckt, den man glatt zur Grundlage eines Romans machen müsste. Oder zumindest einer Kurzgeschichte. Oder vielleicht packe ich ihn doch lieber nur auf meine Website, damit Sie sich mit mir amüsieren können. Hier ist er:
