»Der Teufel in der Weihnachtsnacht« -Leseprobe

„Ich spreche nicht vom Zölibat“, sagte der Teufel schnell und schleuderte die Maus mit einem gezielten bocksfüssigen Tritt in den weit aufgerissenen Schlund eines Aktenvernichters. Ein leises Surren, und sie war verschwunden. „+Ich spreche vom Ersatz von Manpower durch High Tech. Ich präsentiere Ihnen hier“ - ein Fingerschnipsen rief aus dem Nichts eine Fanfare ab - ich präsentiere Ihnen hier ‚Absolvo 2000’, den Beichtstuhl der neuen Generation!“
Wie eine riesige weisse Taube flatterte das Tuch in die Höhe und verschwand in der Unendlichkeit. Darunter kam nicht, wie der Papst erwartet hatte, eine Statue zum Vorschein, sondern eine Art Verkaufsautomat mit Bildschirm, Kopfhöreranschluss und jeder Menge blinkender Tasten „Ich hör dir zu“, sagte eine tiefe, in überirdischen Bässen vibrierende Stimme, und wiederholte immer wieder: „Ich hör dir zu... Ich hör dir zu... Ich hör dir zu…“
Wir haben für ‚Absolvo 2000’ die Stimme von Heino lizenzieren können“, erklärte der Teufel stolz. Was ‚MacDonalds’ recht ist, kann der Kirche nur billig sein. Gerade weil unser Gerät keine Brust im eigentlichen Sinne hat, schien uns der Brustton der Überzeugung umso wichtiger. Wir haben Heino übrigens kostenlos bekommen“, fügte er triumphierend hinzu und grinste dabei so teuflisch, dass der Papst zum ersten Mal wirklich verstand, warum der Stolz eine Todsünde ist. „Ein kleiner Hinweis auf eine Privathölle, in der bis in alle Ewigkeit immer nur ‚Blau, blau, blau blüht der Enzian’ läuft, hat vollkommen genügt.“
„Was ist das für eine Maschine?“
„Der erste vollautomatische elektronische Beichtstuhl. Auf allen wichtigen Planeten zum Patent angemeldet. Wenn Sie ihn vielleicht einmal ausprobieren wollen?“
„Nein,“ sagte der Papst streng und sah, abgesehen von seinem Overall, ganz so aus wie ein wütender Moses kurz vor dem Zertrümmern der Gesetzestafeln. „Ich will ihn nicht ausprobieren.“
„Aber ‚Absolvo 2000’ hat serienmässig einen stufenlos regelbarem Filter für lässliche Sünden.“
Der Papst schüttelte den Kopf.
Einen selbst reinigendem Absolutionsdispenser.“
Der Papst verschränkte die Arme.
„Und er ist ortsunabhängig! Zum ersten Mal kann nicht mehr nur in der Kirche gebeichtet werden, sondern überall. Am Bahnhof. Im Parkhaus. Im Supermarkt.“
Der Papst wandte sich ab.
„Dem kann man es aber auch wirklich nicht recht machen“, murmelte der Teufel vor sich hin und folgte ihm zum Auto.
Heinos Stimme, fast ein bisschen beleidigt, wiederholte in der Ferne verklingend: „Ich hör dir zu... Ich hör dir zu... Ich hör dir zu... Ich hör dir…“ Dann war der Ferrari auch schon wieder unterwegs.

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Letzte Aktualisierung: Juni 2006
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