Fürchtet euch nicht, ich bin es
Nein, diese Zeichnung stellt nicht, wie mein Sohn behauptet, den berühmten Revolutionär Mao Tse Winsky dar, sondern mich. Sie erschien in der Literaturbeilage des holländischen „Het Parool“, als Illustration zu einem Artikel, in dem ich versuchte, meine Eindrücke von der Stadt Amsterdam zu schildern. Eine wunderschöne Stadt übrigens, und das nicht nur, weil die Buchhandlungen dort die holländische Ausgabe von „Melnitz“ so fleissig verkaufen.
(Zeichnung Kristof Luyckx / Shop Around)
Glosse des Monats
Wer in der wirklichen Welt arbeiten und in der idealen leben kann, der hat
das Höchste erreicht.
Ludwig Börne
Ist es Ihnen auch aufgefallen? Seit einiger Zeit stehen hinter dem
Autorenvermerk von Artikeln immer häufiger die Worte: „Lebt und arbeitet
in…“ Sprachschludernde Redakteure hauen den Satz unterdessen so automatisch
in die Tastatur, wie Werbeleute über ein hunderttausendfach verbreitetes
Flugblatt die Lüge setzen: „Ihr ganz persönliches Angebot.“
Was müssen das für Autoren sein, frage ich mich, die darauf bestehen, der
Öffentlichkeit mitzuteilen, dass sie in London, New York oder Bümpliz nicht
etwa nur leben, sondern – welche Überraschung! – auch arbeiten? Oder
verstehe ich den Satz falsch, und die eigentliche Botschaft lautet: „Ich
arbeite nicht nur, sondern – wer hätte das gedacht? – ich lebe auch“?
Seit wann, frage ich mich weiter, sind Leben und Arbeiten zwei so ganz und
gar verschiedene Dinge, das man sie in einer biographischen Notiz separat
anführen muss? Stellen diese Autoren ihr Leben ein, während sie am Computer
sitzen? Sagen sie ihrer Frau am Telefon: „Ich schreibe nur noch diesen
Artikel zu Ende, Schatz, aber pünktlich um halb sieben fange ich wieder an
zu leben“?
Oder, wenn wir schon mal am Ausdeuten sind, finden sie es vielleicht vor
allem mitteilenswert, dass sie diese beiden so ungeheuer verschiedenen
Tätigkeiten aus irgendeiner Marotte heraus tatsächlich in der gleichen Stadt
ausüben? Soll der Leser darüber staunen, dass sie nicht etwa in Melbourne
leben, und gleichzeitig ihrer beruflichen Tätigkeit in Stockholm nachgehen?
(„Wissen Sie, ich komme auf den täglich dreissig Stunden Flug so schön zum
Lesen.“)
Oder steckt hinter der verquasten Formulierung überhaupt keine inhaltliche
Bedeutung? Macht im Kindergarten des Journalismus jeder den gleichen
Sprachpurzelbaum, nur weil ihn der andere auch gemacht hat? Ist das Ganze
nur – um eines der schönsten Sprachbilder von Karl Kraus seinem
ursprünglichen Kontext zu entfremden – der Versuch, auf einer Glatze Locken
zu drehen?Ich weiss es nicht. Ich beobachte nur, dass sich diese
Formulierungsseuche immer weiter ausbreitet, und dass immer noch – Wo bleibt
die chemische Industrie, wenn man sie wirklich braucht? – niemand ein
wirksames Mittel dagegen entwickelt hat. Ich kann Ihnen nur versichern:
Während ich diese paar Zeilen zu Computer brachte, habe ich sowohl
gearbeitet als auch gelebt.
Erschienen in »Bücher am Sonntag« vom 29. Januar 2012,
Literaturbeilage der »NZZ am Sonntag«
Rezept gefällig?
Der „Beobachter“ lebt, wie so viele andere Zeitschriften, im Irrglauben, dass Promis alles können – also auch kochen. Folglich hat er mich für die entsprechende Rubrik um mein bestes Rezept gebeten. Und das möchte ich den Besuchern meiner Homepage nicht vorenthalten. Guten Appetit!
Gefülltes Perlhuhn «Lewinsky»
Zutaten für 4 Personen:
1 Perlhuhn
für die Füllung:
6 Schalotten,
5 Knoblauchzehen,
frische Kräuter (Rosmarin, Salbei, Schnittlauch),
12 entsteinte Datteln,
2 Deziliter Noilly-Prat,
2 Esslöffel Olivenöl,
Salz, Pfeffer,
2 Teelöffel Schwarzkümmel,
1 Prise Lebkuchengewürz,
1 Prise Kardamom,
1 Teelöffel Chilipfeffer,
1 Hand voll schwarze Pfefferkörner;
als Beilage:
Bohnen
Zubereitung der Füllung:
Die Schalotten, den Knoblauch, alle Kräuter und die Datteln fein hacken und in eine Schüssel geben.
Die Hälfte des Noilly-Prat, das Olivenöl und die Gewürze daruntermischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Weiteres Vorgehen:
Zwei Drittel der Mischung in den Bauch des Perlhuhns füllen.
Mit dem Rest das Huhn aussen einreiben.
In einen Bratbeutel legen. Die zweite Hälfte des Noilly-Prat sowie die Pfefferkörner dazugeben.
Den Beutel zubinden und mit einer Stecknadel oben einige Male einstechen.
In den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen geben und 15 Minuten anbraten.
Die Hitze auf 60 Grad reduzieren und das Perlhuhn mindestens weitere drei Stunden garen.
Unterdessen die Bohnen blanchieren und beiseite stellen.
Vor dem Servieren den Bratbeutel öffnen, die Sauce in einer Pfanne auffangen und die Bohnen kurz darin aufkochen.
Was man im Internet nicht so alles findet…
Jeder Mensch, der neugierig ist – und ich bin sehr neugierig – googelt regelmäßig den eigenen Namen. Und da findet er dann die seltsamsten Dinge. In der New York Times vom 4. April 1884 (also in den ganz frühen Tagen des Internets…) habe ich einen Artikel über einen Namensvetter von mir entdeckt, den man glatt zur Grundlage eines Romans machen müsste. Oder zumindest einer Kurzgeschichte. Oder vielleicht packe ich ihn doch lieber nur auf meine Website, damit Sie sich mit mir amüsieren können. Hier ist er:

